Lufthansa, Rauchverbot und provozierte Raucherzwischenfälle an Bord von Passagiermaschinen

Mit dem konzertierten Provozieren von "Raucherzwischenfällen" an Bord von Flugzeugen wollte der ehemalige Verband der Cigarettenindustrie (VdC) Raucherverbote bei der Lufthansa verhindern.

Damals hat die Lufthansa die Absicht verfolgt, das Rauchen auf Inlandsflügen auf freiwilliger Basis und ohne gesetzliche Vorgaben zu verbieten. Maßgabe dabei waren Umfragen und die Tatsache, dass die internationale Konkurrenz schon längere Zeit rauchfrei geflogen ist - allerdings häufig auf Grund staatlicher Vorgaben.

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Mit dem konzertierten Provozieren von "Raucherzwischenfällen" an Bord von Flugzeugen wollte der VdC im Oktober 1990 Raucherverbote bei der Lufthansa verhindern.

Im Jahre 1990 hat die Lufthansa die Absicht verfolgt, das Rauchen auf Inlandsflügen auf freiwilliger Basis auch ohne gesetzliche Vorgaben zu verbieten. Maßgabe dabei waren Umfragen und die Tatsache, dass die internationale Konkurrenz schon längere Zeit rauchfrei geflogen ist - allerdings häufig auf Grund staatlicher Vorgaben. Dieses Vorhaben hat beim VdC naturgemäß keinen Anklang gefunden. Welche Maßnahmen im Vorstand des VdC beschlossen worden sind, zeigt eindrucksvoll das folgende ausführliche Zitat aus einem Originaldokument, in dem sogar von "provozierten Raucherzwischenfällen" an Bord von Passagiermaschinen die Rede ist.

Es handelt sich also nicht um Propaganda eines Nichtraucherverbandes oder Hörensagen, sondern um Tatsachen, die der VdC selbst dokumentiert hat. Einen Verweis auf die Originalvorlage, die veröffentlicht werden musste, finden Sie im Anschluss im Bereich Quellen.

Zitat aus einer Vorstandssitzung des Verbandes der Cigarettenindustrie vom 12. Oktober 1990 in Bonn

1) Rauchverbot auf lnnerdeutschen Flügen

Es wurde die Situation erörtert. Sie ist gekennzeichnet durch eine heftige öffentllche Kontroverse um das vorgesehene Rauchverbot der Lufthansa. Hier hat sich insbesondere die Blld Zeitung stark für die Interessen der rauchenden Fluggäste elngesetzt. Auch die vielfältigen Protestschrelben aus der Cigarettenlndustrie and aus der Zuliefererindustrle haben die Lufthansa schwer getroffen. Sie versucht sich nun damit zu rechtfertigen, daß sie im lnternationalen Vergleich gleichsam der Nachzügler bel Rauchverboten sei. Sie verschweigt dabei geflissentlich jedoch, daß diee Rauchverbote hausgemacht sind, während die anderen Fluglinien überwiegend von staatlichen Verboten zu entsprechendem Verhalten gezwungen worden sind.

Dr. König trug den Plan vor, in Zusammenhang mit dem lnkrafttreten des Rauchverbotes am Montag, den 29. Oktober in einer konzertierten Aktion zwei Anzeigenmotive zu veröffentlichen und zuglelch Raucherzwischenfälle an Bord der entsprechenden Maschinen zu provozleren. Drei Ziele werden mit den Anzeigen verfolgt:

a) Druck auf die Lufthansa auszuüben, um sie zu einer kompromißbereiten Haltung zu zwingen.

b) Rückenstärkung des Rauchers.

c) Anlaß für ein Presse-Echo, das wiederum zu Druck führt.

Die Angreifbarkelt der Lufthansa ergibt sich aus folgenden Tatbeständen.

Sie gibt kelne Unterlagen über die angeblichen Umfragen heraus.

Sie verschweigt den Unterschied zu anderen Rauchverboten, die von staatswegen verhängt worden sind und nicht auf elner autonomen Entscheidung der jeweiligen Fluglinie beruhen.

Sle verschweigt die Lufthansa-Untersuchung, die zusammen mit Boeing gemacht ist und minimale Luftverschmutzung durch Rauchen ergeben hat.

Sodann trug Herr Heim die wesentlichen Ergebnisse der rechtlichen Prüfung vor. Die zivil- und kartellrechtliche Seite werde von elnem Spezialanwalt, Herrn RA Michaeli, aus der Sozietät Wessing, Behrenberg, Goßler (Düisseldorf) durchgeführt. Die Ergebnisse sollen am 20. Oktober vorliegen.

Die verkehrsrechtliche Seite werde von Herrn RA Eckehard Grles, MdB, Verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktlon, bearbeitet. Letzterer habe die Ergebnisse seiner juristischen und auch administrativen Prüfung bereits vorgelegt. Juristisch falle das Rauchverbot nicht unter die verkehrsrechtliche Problematik, weil jene nur die Sicherhelt des Flugverkehrs betreffe. Deshalb könne es auch nicht in den Beförderungsbedingungen enthalten sein und brauche nicht genehmigt zu werden. Herr RA Gries hat auf Indizien hingewiesen, wonach die Lufthansa ebenfalls nachdenklicher wird und versucht, die Dinge in Bewegung zu bringen.

Vor diesem Hintergrund erörterte man das 'Ob' und 'Wie' etwaiger VdC-Anzeigen. Als Ergebnis der Diskussion wurde beschlossen: am 29. Oktober wird in der FAZ die in der Anlage 1 beigefügte Anzeige erscheinen. Am selben Tage soll in der Bild Zeitung eine sehr viel aggressivere Anzeige geschaltet werden, die es noch zu entwerfen gilt. Vorgabe ist, daß das Rauchverbot Ausdruck elner allgemeinen Kundenfeindlichkeit der Lufthansa ist, die sich nur ein Monopolist leisten kann. Die Bild Zeitung braucht nicht von prominenten Unterschriften begleitet zu werden. Es wäre zu schwierig für ein solches aggressives Vorgehen welche zu finden. Beide Anzeigen sollen vom VdC verantwortlich gezeichnet werden.

Parallel dazu soll folgendes Verfahren in die Wege geleitet werden. Die Firma INFAS tritt offiziell an die Lufthansa heran und behauptet, einen Auftrag zur Ermittlung der Serviceleistungen der Lufthansa zu haben. Sie bittet die Lufthansa, mltzugestalten bei sachgerechter fragestellung und bel sachgerechter Ermittlung.

Zitat Ende. Hervorhebung durch den Verfasser dieses Beitrages. INFAS ist ein Institut für Sozial- und Marktforschung.

Durch das Einknicken der Lufthansa, welches offenbar noch bis zur Fertigstellung des Protokolls erfolgte, konnten damals möglicherweise für die Flugsicherheit kritische Ereignisse (provozierte Raucherzwischenfälle) vorerst verhindert werden. Der VdC hat nach dem Bekanntwerden des Rückziehers der Lufthansa die oben geschilderten Maßnahmen laut Fußnote auf dem Protokoll gestoppt. Wie gefährlich rauchbedingte Zwischenfälle in Flugzeugen sein können und welche Folgen so etwas nach sich zieht, kann beispielhaft den unter "Quellen" verlinkten Presseberichten entnommen werden.

Bemerkenswert ist dabei die offensichtliche Ähnlichkeit der Verhaltensmuster, welche stark aggressive Neigungen der Raucher bis hin zu physischer Gewalt gegen Außenstehende - möglicherweise in Folge von Entzugsängsten oder Entzugserscheinungen - aufweisen. Parallelen zu Fällen in U- und S-Bahnen sowie Bussen der letzten Monate sind deutlich wahrnehmbar - denn auch in diesen Fällen war extreme Aggressivität, die einige Menschen beinahe das Leben gekostet hätte, bei den Rauchern zu beobachten.

Ob und in welchem Umfang derartige Zwischenfälle inszeniert worden sind oder ob es sich um mehr oder weniger zufällige Ereignisse oder krankhafte Störungen handelt, kann heute nicht mit Sicherheit ermittelt werden. Deutlich wird jedoch die Gewaltneigung, die in vielen ähnlich gelagerten Fällen feststellbar ist und Anlass für wissenschaftliche Studien liefern sollte, die sich mit den psychologischen Auswirkungen krankhaften Nikotinmissbrauchs detaillierter als bisher beschäftigen.

In der heutigen Zeit befassen sich nach unseren Erkentnissen einzelne extremistische und zu aggressivem Verhalten neigende Rauchergruppierungen unter anderem damit, die allgemein akzeptierten und erwünschten Rauchverbote in Flugzeugen abzuschaffen. Inwieweit die Verantwortlichen dieser Gruppierungen genügend Einfluss auf ihre Mitglieder ausüben können, um Zwischenfälle auszuschließen, die möglicherweise die Luftsicherheit und damit das Leben von Fluggästen gefährden, entzieht sich dabei unserer Kenntnis.

In einem der nächsten Teile der Serie über den Tabaklobbyismus wird das Vorgehen des ehemaligen Verbandes der Cigarettenindustrie im Zusammenhang mit dem Hamburger Verkehrsverbund näher beleuchtet und die Methodik, mit der Politik und Öffentlichkeit getäuscht werden sollten, aufgedeckt.

Quellen:

 

 

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