Wie Falsch- und Fehlinformationen zu merkwürdigen Mails führen

Dieser Blogartikel handelt von einem Bremer Blues Club, einem renitenten Wirt und einigen Fans, die sich auf unvollständige, falsche und frei erfundende Informationen berufend auch an mich gewendet haben.

Mir liegt es fern, pauschal die Schreiber als "dumm" zu brandmarken, jedoch möchte ich verdeutlichen, dass sich manche Aktion bei genauerer Betrachtung als dumm darstellen kann. 

 Aber von vorne..

Vergangene Woche erreichte unseren Verband (überraschend) die Meldung, dass in Bremen der Meisenfrei Blues Club seine Türen für immer schließen soll. Grund dafür seien zahlreiche Anzeigen des Verbandes Pro Rauchfrei und daraus folgende horrende Geldstrafen - der Betreiber soll also durch das Wirken des Verbandes zur Aufgabe gezwungen worden sein.

Die Folge der Schließung ist, dass kleineren Bands eine Bühne entzogen wird und Blues-Freunden in Bremen eine Ausgehmöglichkeit abhanden kommt. Der "geballte" Unmut einiger Musiker und Gäste ließ dann auch nicht lange auf sich warten. So haben uns unter etwa 20 verschiedenen Pseudonymen und mit zum Teil nicht existierenden E-Mails etwa ein halbes Dutzend Personen angeschrieben, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Naturgemäß war keiner der Schreiber daran interessiert, uns zu fragen, was da überhaupt los war. Stattdessen hat man sich beliebter Argumentationsfiguren bedient und uns als "Blockwarte", "Denunzianten", "Faschisten", "Nazis", "Arschlöcher" etc. betitelt. Ferner wurde uns die Schuld am Arbeitsplatz der Angestellten im Blues Club gegeben, die Schuld an der Schließung zugewiesen und überhaupt die Urschuld am Elend der Raucher, die nirgendwo mehr rauchen dürfen.

Wer gefragt und die Berichterstattung in den Medien verfolgt hätte, wäre in der Lage gewesen, sich den einen oder anderen dummen Kommentar zu sparen. So ist es zum Beispiel so, dass Werner Popken ("Max") in Bremen kein Unbekannter ist. Es gab zahlreiche Beschwerden über sein Rechtsverständnis - nicht von Verbänden, sondern vor allem von Gästen seines Ladens. "Max" wollte sich aber nicht an die bestehenden Auflagen halten.

So kam es, dass sich irgendwann auch jemand an Pro Rauchfrei gewendet hat und eine Beschwerde eingereicht hat. Wie in diesen Verfahren üblich leiten wir diese an die zuständigen Behörden zur Bearbeitung weiter. 

Durch diese Tatsache haben sich dann auch die Begriffe "Blockwart" und "Denunziant" erledigt, die nur ein Mensch anwenden kann, der falsch informiert ist und nicht weiß, was diese Begriffe aussagen: Pro Rauchfrei schickt keine "Rauchersheriffs" auf Streife und die Beschwerdeführer sind den Behörden mit Namen und Anschrift bekannt - nichts läuft bei uns anonym ab (Anonymität ist aber Hauptmerkmal des Denunziantentums).

Zu diesem Zeitpunkt war das Schicksal von "Max" aber offenkundig bereits besiegelt. Zumindest wurde er zur Zahlung eines Bußgeldes im unteren dreistelligen Bereich verurteilt. Einsehend, dass er mit seinem Kurs nicht weiter kommt und unwillig, sich an die Vorgaben zu halten, sah seine Problemlösungsstrategie vor, den Blues Club zu schließen und die Angestellten auf die Straße zu setzen. 

Probiert, seinen Laden rauchfrei zu führen, hat er nicht. Von daher sind seine Befürchtungen nur Spekulationen - genährt von Fehlinformationen und der Panikmache von Tabaklobbyisten, die den Wirten, die manchmal leider nicht wirklich clever sind, suggeriert, dass rauchfreie Betriebe dicht machen können. Alles Unsinn, wie internationale Erfolge und Umsatzzuwächse zeigen. Logisch außerdem, weil die Wirte nicht am Qualm in der Luft, sondern an Speis und Trank sowie am Eintritt verdienen.

Kommen wir zu zwei weiteren dummen Bezeichnungen: Faschisten und Nazis. Während sich der Begriff "Nazis" nur negativ für den Verwender auswirkt, der damit seine fehlende Allgemeinbildung zur Schau stellt, lohnt es sich den Begriff des Faschismus doch einmal aufzugreifen. Faschismus ist ein Begriff, dessen Ursprung auf das alte römische Reich zurückzuführen ist. Damals wurde den Inhabern von Macht über Leben und Tod von den sog. Liktoren ein Rutenbündel mit Beil (Fasces) voran getragen. Zu späteren Zeiten wurde mit "Faschismus" die politische Bewegung des italienischen Diktatos Mussolini assoziert, deren "Markenzeichen" u.a. eine Flagge mit einem der erwähnten Rutenbündel darstellt. Heutzutage bezeichnet man Faschismus meist ideologisch-politisch rechtsgerichtete Bewegungen, die Diktaturen anstreben oder unterstützen. 

Da der Verband Pro Rauchfrei keine rechtsgerichteten Ideologien verfolgt, keine Machtergreifung im Land anstrebt und Diktaturen ablehnt, ist die Bezeichnung "Faschisten" nicht nur unzutreffend, sondern dumm.

Primärziel von Pro Rauchfrei ist der Schutz vor dem Passivrauchen in allen Lebensbereichen und die damit verbundenen Einschränkungen für Raucher. Dabei ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland der Maßstab, an dem wir uns orientieren. Wir fordern deshalb in erster Linie die Achtung von Artikel 2 Abs. des Grundgesetzes - und zwar im vollen Umfang. Dieser räumt den Rauchern das Recht zum Rauchen implizit ein - solange dadurch nicht die Rechte Dritter tangiert werden. Ein solches Recht Dritter ist die körperliche Unversehrtheit.

Da jedoch Justiz wie Politik Gesetze und Grundrechte zuweilen eigenwillig handhaben und auslegen, wurden spezielle Gesetze, die wir in ihrer Ausgestaltung für völlig unzureichend und wettbewerbsverzerrend halten, erforderlich. Dennoch erwarten wir (und fordern wir ein), dass diese Gesetze ebenso eingehalten werden, wie alle anderen Gesetze auch. Uninteressant ist für uns dabei, ob das einem Wirt gefällt oder nicht.

Wir bewegen uns also als Verband ausschließlich im Rahmen der geltenden Rechtssprechung und wenden rechtsstaatliche Verfahren an, um unsere Interessen und die unserer Mitglieder durchzusetzen. Dazu gehört u.a. auch der Schutz von mehr als 700.000 Beschäftigten im Gastgewerbe, die sich überwiegend in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit besitzen und vom Recht auf gesunde Arbeitsbedingungen zur Zeit ausgeschlossen werden.

Ferner vertreten wir den Standpunkt, dass es einem Raucher zuzumuten ist und es von ihm auch erwartet werden kann, zum Rauchen vor die Tür zu gehen - denn Tabakrauch hat in Innenräumen so wenig verloren wie Autoabgase oder Asbeststaub.

All die Schreiber also, die uns hier Vorwürfe machen und uns dummer Weise mit Bezeichnungen oder Attributen beglücken, die nicht zutreffend sind, sollten künftig eines tun: Erst einmal fragen. Das ist einfacher und spart so manchen dummen Kommentar.

So war einer der Meinung, dass wir für sein unternehmerisches Versagen im Jahr 1987 verantwortlich seien (uns gibt es seit 2004) und ein anderer Schreiber bezeichnet unseren Verband als "Pro Rauchfrei Erlangen" obwohl in der Satzung und im Impressum die korrekte Vereinsbezeichnung zu finden ist: "Pro Rauchfrei e.V." mit Sitz in München. Wieder jemand beschwert sich darüber, dass wir ein Sammelpostfach eingerichtet haben - dabei ist er nicht in der Lage eine Hausanschrift von einer Postanschrift zu unterscheiden. 

Zensur kam dann im Zusammenhang mit den Leserkommentaren zum Meisenfrei-Artikel auf... Leute... Wir veröffentlichen doch keine Kommentare, die zivil- und strafrechtliche Konsequenzen für den Verfasser nach sich ziehen könnten. Das würde sich nicht gehören. Und völlig geistfreie Kommentare mit gefälschten E-Mail-Adressen veröffentlichen wir auch nicht. Wer das als Zensur bezeichnet, der macht das genauso, wenn die Tageszeitung seiner Wahl seinen Leserbrief ablehnt.

Mein absoluter Favorit war aber ein Schreiber, der mir persönlich alles Böse dieser Welt anlastet. Lieber Schreiber: Vielen Dank, dass Sie mich für so einen wichtigen und mächtigen Menschen halten - ich bin aber hier nur der gewählte Stellvertreter des Vorstandes. Der Verband, das sind alle Mitglieder und die sind es, die die Richtung vorgeben. Dieser Herr, der sich wie für solche Fälle üblich, einer gefälschten Mailadresse bediente und sich auch sonst im Ton deutlich vergriffen hat, darf mein Hinterteil zur Kusszone machen. 

Bei allem Verständnis für den Unmut, der sich angesichts der Schließung des Meisenfrei Blues Club ergibt und Bedauern, dass die Stadt Bremen damit einen kulturellen Treffpunkt verliert, war es doch letztendlich die Entscheidung von "Max", die zu diesem Ergebnis geführt hat. Weder die Stadt Bremen noch der Verband Pro Rauchfrei oder das Nichtraucherschutzgesetz haben ihn zur Schließung gezwungen.

Inwieweit die nach außen gedrungene Begründung die volle Wahrheit ist, bestehen außerdem gewisse Zweifel. So waren im Gästebuch von "Max" Kommentare zu lesen, nach denen er Schulden haben soll. Andere Kommentare besagen, dass schlicht die Wirtschaftlichkeit des Betriebes nicht mehr gewährleistet war. Was davon zu welchem Teil wahr ist oder nicht, möchte bitte jeder für sich selbst bei der Hauptperson des Vorfalls erfragen: Werner Popken.

{jomcomment}
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.