Deutscher Zigarettenverband will Öffentlichkeit für dumm verkaufen

Nimmt eigentlich die Desinformationskampagne der Tabakindustrie niemals ein Ende?

01.09.2015: Kinder, die in Autos mitfahren, vor dem schädlichen Passivrauchen zu schützen, ist seit langem eine Forderung von Pro Rauchfrei (in unserem Positionspapier nachzulesen), ebenso wie von Medizinern. Seit Großbritannien ein Rauchverbot im Auto bei Anwesenheit von Minderjährigen beschlossen hat, findet das Thema auch in der deutschen Presse endlich Erwähnung und Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte des Bundes, würde „die Prüfung eines solchen Verbots innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes sehr begrüßen.“

Was meint der Deutsche Zigarettenverband (DZV) dazu? „Der Kinder- und Jugendschutz ist in den Leitlinien des Verbandes und seiner Mitgliedsfirmen verankert.“, so steht es auf der Homepage des DZV höchstselbst. Wird der Zigarettenverband also eine solche Forderung begrüßen oder wenigstens akzeptieren, wenn auch stillschweigend?

Nein, der Deutsche Zigarettenverband protestiert dagegen. Dessen Verbandsgeschäftsführer, Jan Mücke, findet ein Verbot „überflüssig“. Nach dieser noch recht zurückhaltenden Äußerung holt er allerdings zum Generalschlag aus und zeigt damit, wie frustriert man auf Seiten der Tabaklobby darüber ist, dass jetzt auch in Deutschland, einem der letzten europäischen Refugien für den fast ungestörten Tabakkonsum, mehr Bewegung in den Nichtraucherschutz und Jugendschutz kommen soll. Einen „Verbotsrausch“ attestiert Mücke der Drogenbeauftragten und steigert sich schließlich zum Gipfel der Entrüstung: „Ein Alkoholverkaufsverbot nach 22 Uhr, ein totales Verbot der Tabakwerbung oder nun Rauchverbote in privaten Autos, keine Verbotsforderung ist Frau Mortler platt genug, um nicht doch damit die Öffentlichkeit zu behelligen.”

Oha, Herr Mücke! Kann es wirklich sein, dass der Sprecher des Deutschen Zigarettenverbandes seine Hausaufgaben nicht gemacht hat? Dass er tatsächlich keine Ahnung hat, allein in wie vielen europäischen Ländern diese „platten“ Forderungen schon erhoben und gar umgesetzt worden sind? Rauchen im Auto, wenn Minderjährige dabei sind, ist inzwischen per Gesetz verboten bzw. das Verbot tritt demnächst in Kraft in:

Finnland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark, Griechenland (nur für Kinder bis 12 Jahre), Polen (nur für Kinder bis 13 Jahre), Zypern (nur für Jugendliche unter 16 Jahre). In zahlreichen weiteren Ländern wird derzeit darüber diskutiert. Schweden und Finnland haben darüber hinaus zum Ziel, ihre Länder bis 2025 bzw. 2040 komplett tabakfrei zu machen.

Durch seine Äußerungen hat sich der Sprecher des Deutschen Zigarettenverbandes wieder einmal klar geoutet: für Profit auf Kosten der Gesundheit Millionen Deutscher – ob aktive oder passive Raucher. Rauchen ist die einfachste zu vermeidende Todesursache in Deutschland. Herr Mücke ist jedoch von der Fraktion "Tricksen und Täuschen", die es kaltblütig in Kauf nimmt, dass jedes Jahr Tausende von Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums qualvoll sterben.  

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