Die Welt als riesiger Aschenbecher

16.01.2014: Etwa fünf Minuten: Dann schlägt Begierde in Gleichgültigkeit um. Die gerade noch gierig gerauchte Zigarette Pro Rauchfrei fordert eine Kampagne gegen die massive Umweltverschmutzung durch Zigarettenkippenwird zur unscheinbaren Kippe und richtet immensen Schaden an, wenn sie achtlos in die Gegend geworfen wird. Dass nachglimmende Zigaretten zu teils verheerenden Bränden in Wäldern und Gebäuden führen und schon viele Menschenleben gekostet haben, ist leider nur ein Teil des Problems.

5 Millionen Tonnen Zigaretten werden jährlich geraucht, mehr als drei Viertel davon unkontrolliert entsorgt. Damit stellen sie den größten Anteil von Plastikmüll weltweit. Denn Zigarettenfilter bestehen aus Celluloseacetat. Dieser sehr beständige Kunststoff wird zu 30-50 µm dünnen  Fäden verarbeitet, die extrem dicht miteinander verwoben und mit Triacetin verklebt werden, um einen Teil der Schadstoffe aus dem Rauch filtern und aufnehmen zu können. Der Filteranteil einer Kippe ist daher noch stärker mit Giftstoffen belastet als der eventuell noch anhängende Tabak.

Ob Filter für den Raucher wirklich gesünder sind, ist übrigens fraglich: Einerseits halten sie einen Teil der Schadstoffe aus dem Tabak zurück, andererseits führen sie zu tieferer Inhalation des Rauchs, dabei gelangen auch feinste Fasern aus dem Filter in die Atemwege. Trotzdem ist die Filterzigarette heute Standard (bis zu 90 % Anteil an verkauften Zigaretten). Für die Umwelt sind filterlose Zigaretten jedenfalls das kleinere Übel. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) fordert seit langem, Kippen wegen ihrer hohen Giftigkeit als Sondermüll zu behandeln.

Es ist höchste Zeit, dass die neue Bundesumweltministerin Frau Hendricks die Lernunwilligen unter den Rauchern über die Folgen ihrer Achtlosigkeit aufklärt und geeignete Maßnahmen ergreift, um diese mit wenig Aufwand vermeidbare Umweltbelastung beträchtlich zu reduzieren. Nur bundesweit einheitliche Regelungen können letztendlich Erfolg haben: Rauchverbote an allen Orten, die von Kindern besucht werden; einheitliche und empfindliche Bußgelder für die unsachgemäße Entsorgung des Zigarettenabfalls, wirksamere Kontrollen. Diese Kampagne ist sinnvoll als Teil einer großangelegten Aktion zur Müllvermeidung.

Ein Großteil der Kippen landet auf dem Boden, im Kanalschacht, auf Spielplätzen, Straßen und Bahngleisen, auf Wiesen, in Wäldern, in Bächen, Flüssen, Seen, im Meer. Wind, Niederschläge und Schneeschmelze befördern den hochgiftigen Abfall meist ins Grundwasser oder in offene Gewässer, bevor er entsorgt werden kann. Dadurch verschärft sich die Problematik noch. Denn schon im Trockenen benötigt eine Zigarettenkippe fünf Jahre bis zur völligen Zersetzung, im Wasser dagegen Jahrzehnte; die Schätzungen reichen von 15 bis zu 400 Jahren.  Jedes dritte Stück Müll, das Umweltschützer bei Aufräumaktionen an den Küsten der Welt finden, ist ein Zigarettenstummel. Ein einziger von ihnen verunreinigt 40 bis 60 Liter Wasser. Die toxischen Stoffe sammeln sich in Pflanzen, Kleinlebewesen und Fischen. So nehmen wir auch mit dem Thunfisch aus der Dose wahrscheinlich toxische Stoffe aus der Zigarette auf.

Eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben bilden Kippen auf Spielplätzen,  Stränden und auf dem Gelände von Schwimmbädern, Freizeitparks und anderen Freizeiteinrichtungen für Familien, da Kleinkinder bekanntlich wahllos Gegenstände in den Mund stecken, um sie zu erkunden.  Darüber hinaus wurden Zigarettenreste auch im Magen-Darm-Trakt von Tieren gefunden. Das ist nicht nur aus ethischen Gründen ein Thema; schließlich stehen wir Menschen auch am Ende der Nahrungskette und „ernten“, was sich an Gift in Wasser, Boden, Pflanzen und Tieren ansammelt.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die hohen Reinigungskosten für Kommunen und ihre Verkehrsbetriebe: Nicht zuletzt deshalb wird es zunehmend zu Rauchverboten im ÖPNV kommen. Rauchende Gäste vor Lokaltüren verursachen ebenfalls ein gestiegenes Müllaufkommen, dessen Kosten zukünftig sicher die Wirte tragen müssen. 

Richtiges Entsorgen

  • Ob ein sogenanntes „Kippenpfand“ (Vorschläge reichen von 10 ct. bis 1 € pro Kippe) umsetzbar wäre und die Situation wirksam verbessern würde, steht dahin. Wegen der schwerwiegenden Umweltschäden sollten jedoch drastische Maßnahmen getroffen werden, z.B. eine Art TÜV für Raucher in Form eines obligatorischen Kurses zur fachgerechten Entsorgung von Zigarettenabfall. Die „Wastewatcher“ in Österreich machen vor, wie man Vermüller durch häufigere Kontrollen und Bußgelder erziehen kann.
  • Wünschenswert wären Sammelbehälter speziell für Zigarettenstummel. Da bei der großen Menge an anfallenden Kippen öffentliche Abfallbehälter schnell überfüllt sind bzw. die Kippen durch Löcher herausfallen können, sollte, wer unterwegs raucht, immer einen sogenannten „Taschenbecher“ dabeihaben – zum Beispiel ein kleineres Glas mit Schraubdeckel.  Den Inhalt der Taschenbecher immer möglichst in feuerfesten Restmüllbehältern entsorgen, da die Stummel sogar noch nach dem Austreten mit dem Fuß nachglimmen können.
  • In den Kompost gehören Zigaretten auf gar keinen Fall. Straßenlaub, das mit reichlich Kippenabfall versetzt ist, soll daher ebenfalls nicht kompostiert werden. Kippen dürfen nicht über die Toilette oder Kanalschächte in Klärwerke gelangen, da die Reinigung des Wassers dadurch sehr erschwert wird.

Beispiele für Gegenmaßnahmen

  • In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und dem Saarland bestehen landesweite Rauchverbote auf Spielplätzen, in anderen Bundesländern verhängen Kommunen zunehmend ein solches (Bremen, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe, in einigen Bezirken Berlins und Hamburgs, vorgeschlagen oder geplant in vielen weitern Kommunen)
  • Das Herabwerfen von Kippen vom Balkon nach unten kann teuer werden: Eine Frau in Bayern, die sich nicht an eine gerichtlich erwirkte Vereinbarung deswegen gehalten hatte, wurde im letzten August zu 100 Euro Strafen pro erwiesenen Fall verurteilt: das belief sich insgesamt auf 3.000 Euro.
  • Kippen aus dem Auto zu werfen kostet 20 bis 50 Euro Bußgeld; eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung droht, wenn z.B. Verkehrsteilnehmer dadurch erschreckt werden und stürzen. Das Entsorgen von Kippen auf dem Bürgersteig kostet in Frankfurt und Berlin 20 Euro. In anderen Ländern kann es weit teurer werden, z.B. in Melbourne: bis zu 577 australische Dollar,  in Singapur 1.000 Singapurdollar, im US-Bundesstaat Illinois bis zu 1.500 US-Dollar. 

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