Pressemeldungen

Raucher-Risiko nicht mehr verharmlosen

Rauchstatus nach Packungsjahren muss zwingend erfasst werden

03.02.2021  Systematisch wird in Deutschland das enorme Risiko von Rauchern für einen schweren Verlauf und Tod bei einer Corona-Infektion unter den Teppich gekehrt. Kein Wunder, sind wir doch unangefochten Europas Schlusslicht bei der Tabakprävention. Alle Appelle von Pro Rauchfrei, den Rauchstatus zwingend erfassen zu lassen, sind bisher wirkungslos verhallt.

Studienergebnisse bestätigen, was ohnehin vollkommen logisch erscheint: Eine schwerwiegende Erkrankung der Atemwege ist für Raucher gefährlicher als für Nichtraucher. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man lediglich den Rauchstatus der Patienten korrekt erfassen. Das geschieht allerdings nicht mit der Frage nach dem aktuellen Rauchverhalten. Vielmehr müssen, wie eine US-amerikanische Studie zeigt, die Packungsjahre erfasst werden: 20 Zigaretten pro Tag ein Jahr lang entsprechen einem Packungsjahr.

Die sogenannte kumulative Rauch-Dosis ist entscheidend bei der Beurteilung des Erkrankungs- und Sterberisikos von Rauchern. Bei mehr als 7.000 erfassten Patienten der Studie lag das Sterberisiko der Gruppe ab 30 Packungsjahren über 6-mal so hoch wie bei Nichtrauchern, das Risiko eines schweren Verlaufs mit Hospitalisierung fast 5-mal so hoch.

„Raucher sind eine signifikante Risikogruppe bei Corona-Patienten. Dennoch werden in deutschen Studien diese Daten völlig ausgeblendet. Daraus würden sich weitreichende Konsequenzen für die Corona- und Tabakprävention  ergeben: mehr rauchfreie Orte, keine Ausnahmen von der Maskenpflicht, niedrigschwellige Entwöhnungsangebote u.v.m.“, fordert Siegfried Ermer, Vorsitzender von Pro Rauchfrei e.V. „Die vordringlichste Maßnahme besteht aber darin, den Rauchstatus der Patienten verpflichtend und korrekt zu erfassen. Der nächste Schritt muss eine zielgerichtete Information der Öffentlichkeit sein.“ Tabakprävention und Nichtraucherschutz seien ein unverzichtbarer Baustein zur Eindämmung der Pandemie, resümiert er.

Bundesgerichtshof entscheidet im Juni über Verdecken von Warnhinweisen

15.05.2020  In der Sache Pro Rauchfrei e.V. gegen den Betreiber zweier Münchner Supermärkte fand am 14.05.2020 der Verhandlungstermin vor dem l. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs statt. Wie zuvor beim Landgericht und beim Oberlandesgericht München geht es um die Frage, ob die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise auf Zigarettenpackungen bei der Abgabe in Warenautomaten an den Kassen von Supermärkten verdeckt werden dürfen. 

Pro Rauchfrei verfolgt mit der Klage letztlich das Ziel, dass Tabakwaren in der Öffentlichkeit für Minderjährige nicht sichtbar und nicht erhältlich sein sollen. Wenn die abschreckenden Warnbilder auf den Packungen sichtbar sein müssen, kann aller Voraussicht nach der „Premiumplatz“ für Tabakwaren direkt an den Kassen nicht mehr gehalten werden.

Im Mittelpunkt der Einführung des Vorsitzenden stand die Auslegung von Vorgaben der Richtlinie, insbesondere des Art. 8 Abs. 3 Tabakproduktrichtlinie (TPRL). Ob ein Verdecken gegebenenfalls auch durch Automaten erfolgen könne, ergebe sich daraus nicht mit hinreichender Sicherheit. In diese Richtung argumentiert jedoch der Verfahrensgegner, während Pro Rauchfrei davon ausgeht, dass jegliches Verdecken in der TPRL ausdrücklich ausgeschlossen werden soll, denn sonst wäre der Zweck der Richtlinie verfehlt.

In der Verhandlung blieb noch offen, ob der Senat die Sache dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorlegen wird.  Als Verkündungstermin wurde der 25.06.2020 festgelegt. 

Unsere Mitteilung zur Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München im Juli 2019: Warnhinweise auf Zigarettenpackungen

Pro Rauchfrei fordert jetzt Anti-Tabak-Maßnahmen

Eindämmung des Tabakkonsums gehört zu wirksamem Seuchenschutz

31.03.2020   Obwohl zur Eindämmung der Corona-Epidemie unsere Freiheitsrechte massiv eingeschränkt wurden, wird das Rauchen als extrem risikobehaftete Aktivität weiter gefördert. Nicht nur verschiebt die Regierung die Umsetzung des Tabakwerbeverbots und des Rauchverbots im Auto wieder einmal auf unbestimmte Zeit, sondern Tabakgeschäfte sind ausdrücklich von den Geschäftsschließungen ausgenommen.

„Wenn Politiker alle effektiven Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ausschöpfen wollten, dann müssten sie den Verkauf von Tabakwaren verbieten“, so der Bundesvorsitzende von Pro Rauchfrei, Siegfried Ermer.

Denn Raucher gehören zu den ausgemachten Risikogruppen, was die Ansteckung durch das Virus und einen schweren Krankheitsverlauf betrifft. Kein Wunder, da sie ihr Immunsystem schwächen und ihre Lungen schädigen. Zudem konterkariert das Rauchen im Freien durch häufigen Hand-Mund-Kontakt die dringend empfohlenen Hygienevorkehrungen zum Eigenschutz.

Doch Pro Rauchfrei weiß leider auch: Diese Forderung ist sicher wieder einmal in den Wind gesprochen – genauso wie die nach der schnellen Verabschiedung der oben genannten Gesetze, und zwar ohne Ausnahmeregelungen. Bei einem Weiterverkauf von Tabakwaren wären zumindest Rauchverbote im öffentlichen Raum und intensive Entwöhnungsprogramme für Nikotinsüchtige ein Gebot der Stunde.

Wer A wie Ausgangsbeschränkung sagt, sollte auch R wie Rauchbeschränkung sagen, im Interesse des gesamten Gesundheitssystems.

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