Tabakwerbeverbot: Den Lückenstrickern keinen Raum geben

24.04.2019  Tabakwerbung hat zum Ziel, aus jungen Nichtrauchern Raucher zu machen. Sie richtet sich nicht an erwachsene Raucher, die hat man ohnehin fest im Griff. Deshalb muss auch die Werbung für Tabakerhitzer und E-Zigaretten aus Deutschlands Straßen verschwinden.

Gerade nadeln die Lückenstricker der Tabaklobby wieder an möglichst weiten Ausnahmeregelungen für das Tabakwerbeverbot. Die Vorlagen dafür liegen schon lange bereit, rechnet die Tabakbranche doch seit Jahren damit, dass die letzte Werbebastion Deutschland irgendwann fallen wird. Jetzt kommt es für die Lobbyisten darauf an, das milliardenschwere Geschäftsmodell Rauchalternativen zur Gewinnerhaltung aus dem Werbeverbot herauszuhalten. Bei der Union, die das Werbeverbot so lange hinausgezögert hat, erhofft man sich dabei Gehör.

Hier und jetzt ist es an der Zeit, „Nein!“ zu sagen. Nein zur Bewerbung von Produkten, deren schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit erst in Jahrzehnten vollständig belegt werden können, obwohl bereits erste Ergebnisse vorliegen, u.a.

  • Auch Tabakerhitzer schaden der Lunge [1]
  • Tabakerhitzer geben ebenfalls Giftstoffe ab, wenn auch merklich weniger als Tabakzigaretten [2]
  • E-Zigaretten schaden Gaumen und Zähnen [3]
  • E-Zigaretten verengen Bronchien und erhöhen Entzündungswerte [4]

Erwachsene Raucher, die ihr Gesundheitsrisiko minimieren und deshalb zur E-Zigarette greifen, können sich anhand ungezählter (Fach-)Artikel, Forenbeiträge und sonstiger Verlautbarungen über die Vorteile des Dampfens gegenüber dem Rauchen informieren. Markenwerbung braucht es hierzu aber nicht. Denn ihr Ziel ist nicht, den aktuellen - jederzeit veränderlichen - Stand der Forschung darzustellen.

Jugendliche Nichtraucher dürfen nicht an Tabakerhitzer und E-Zigaretten herangeführt werden. Genau dies wird aber geschehen, wenn weiterhin Tausende von Plakaten an Hauswänden und an Haltestellen des öffentlichen Verkehrs hängen. Die modernen Geräte und die Vielfalt von fruchtig-süßen Aromen verführen Jugendliche wirksam zum Einstieg in die Nikotinsucht, auch das wurde belegt. [5]

Werbung für Tabak und Nikotin wird es – leider – in jedem Fall weiter geben. In und an Verkaufsstellen soll Werbung weiterhin genehmigt sein, bei Filmen für Erwachsene ebenso. Des Weiteren ist jeder E-Zigaretten-Laden, jeder Tabakautomat und jede Rauchszene in Film und Fernsehen Werbung für den Konsum von Nikotinprodukten. Jedoch soll wenigstens Schluss sein mit der penetranten Außenwerbung an jeder Ecke.

„Die Union hat sich dafür entschieden, dass ihr die Gesundheit der Bevölkerung wichtiger ist als die Bilanzen der Tabakwirtschaft. Gut so – aber nun muss sie auch den letzten Schritt zur Umsetzung ohne Stolpern wagen. Das Tabakwerbeverbot soll alle inhalierten Produkte betreffen, die süchtig machen“, fordert Siegfried Ermer, Pressesprecher von Pro Rauchfrei e.V., dem Verbraucherschutzverband Nichtrauchen.

Unser Schreiben vom Dezember 2018 an alle MdB: Tabakwerbeverbot JETZT

Unsere aktuelle Pressemitteilung: Tabakwerbeverbot ohne Ausnahmen




[1] https://openres.ersjournals.com/content/5/1/00159-2018
[2] https://tobaccocontrol.bmj.com/content/early/2019/01/28/tobaccocontrol-2018-054419.abstract
[3] https://www.urmc.rochester.edu/news/story/4667/first-ever-study-shows-e-cigarettes-cause-damage-to-gum-tissue.aspx
[4] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0012369216012344
[5] https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0033354919830967

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