Wenn du’s nicht für dich tust – tu’s für die anderen

30.5.2019  Morgen ist wieder Weltnichtrauchertag ...

und passend dazu kann sich jede/r Raucher/in informieren, wie gefährlich das Rauchen ist, insbesondere für die Lunge, aber nicht nur. Auch werden verschiedene Programme zum Rauchstopp vorgestellt. Vielleicht wird das manchen dazu bewegen, mit der Rauchentwöhnung anzufangen. Der große Schock bleibt aber meist aus, denn eigentlich wissen Raucher heute theoretisch gut, wie sehr sie sich selbst schaden. Trotzdem denken sie meist erst ans Aufhören, wenn ihre Gesundheit schon spürbar angegriffen ist.

Wenige Raucher verschwenden einen Gedanken daran, dass Tabakrauch auch die Menschen in ihrer Umgebung krank macht und ihren vorzeitigen Tod riskiert. Würden sie sich das wirklich klarmachen, dann würden sie Bitten oder Proteste ihrer Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen endlich ernst nehmen.

Tabakrauch ist giftig, das wissen alle. Tabakrauch wird nicht vollständig von Rauchern inhaliert, Das dürfte ebenfalls bekannt sein. Aber wie viel davon wird nicht eingeatmet bzw. wieder ausgeatmet? Quizfrage:

Wie viel Tabakrauch bleibt beim Rauchen im Körper des Rauchenden?  Lunge aus Zigaretten

a)      100 %

b)       75 %

c)        50 %

d)       25 %

Hätten Sie’s gewusst? Die Antwort geben zum Beispiel die Lungenärzte im Netz. Traurige Tatsache ist also, dass tatsächlich die Nichtraucher die wahren Raucher sind. Sie bekommen drei Viertel (!) des Rauchs ab, den Raucher wieder ausatmen oder der beim Glimmen der Zigarette entsteht. Dieser sogenannte Nebenstrom­rauch, der gar nicht inhaliert wird, kann krebserzeugende Stoffe in bis zu 100facher Konzentration enthalten, verglichen mit dem wieder ausgeatmeten Rauch.  

Ist das nicht pervers? Raucher erhalten nur einen Bruchteil von dem Gift, das sie sich freiwillig zuführen, während Nichtraucher gegen ihren Willen den Großteil abbekommen.

Doch nicht nur wird vergiftet, wer in der Nähe einer rauchenden Person steht: Der kalte Rauch setzt sich auf Haut, Händen, Haaren und Kleidung von Rauchern sowie auf Boden, Wänden, Möbeln und allen anderen Gegenständen ab. Danach behält er seine gesundheitsschädliche Wirkung, sobald er durch Berührung oder Einatmen aufgenommen wird.  „So fanden US-Wissenschaftler Rückstände nicht nur in Nichtraucherhotels und -autos, sondern auch in einer rauchfreien Intensivstation für Neugeborene: Personal oder Eltern hatten sie eingeschleppt“, wie aktuell in baden online zu lesen ist. Die Schadstoffe bauen sich erst nach Monaten oder Jahren ab.

Ganz besonders empfindlich ist die Gesundheit von Kleinkindern und Heranwachsenden, deren Atemorgane und Immunsystem noch nicht voll ausgebildet sind. Eine weitere Gefahr droht ihnen durch die massenhaft herumliegenden Kippen. Die Kleinen nehmen gern alles in den Mund (gilt auch für Liquids von E-Zigaretten.)  Letztlich betrifft der Kippenmüll aber uns alle, denn in unserem Körper reichern sich die Giftstoffe an, die wir übers Wasser und über Nahrungsmittel aufnehmen.

So sollten alle Raucher wissen, dass sie nicht nur die eigene Gesundheit mit ihrer Sucht riskieren, sondern auf vielfältige Weise die Gesundheit aller Menschen. Dazu kommen noch gravierende Schäden beim Tabakanbau (Kinderarbeit, grüne Tabakkrankheit, Vernichtung von Wäldern …) und beim Handel (Schmuggel, Schwarzmarktkriminalität …) und beim Konsum (Verkehrsunfälle, Brände und körperliche Gewalt).

Da gibt’s nur eins: Aufhören. Noch heute. Wenn nicht für sich selbst, dann für alle anderen.

Tabakwerbeverbot: Den Lückenstrickern keinen Raum geben

24.04.2019  Tabakwerbung hat zum Ziel, aus jungen Nichtrauchern Raucher zu machen. Sie richtet sich nicht an erwachsene Raucher, die hat man ohnehin fest im Griff. Deshalb muss auch die Werbung für Tabakerhitzer und E-Zigaretten aus Deutschlands Straßen verschwinden.

Gerade nadeln die Lückenstricker der Tabaklobby wieder an möglichst weiten Ausnahmeregelungen für das Tabakwerbeverbot. Die Vorlagen dafür liegen schon lange bereit, rechnet die Tabakbranche doch seit Jahren damit, dass die letzte Werbebastion Deutschland irgendwann fallen wird. Jetzt kommt es für die Lobbyisten darauf an, das milliardenschwere Geschäftsmodell Rauchalternativen zur Gewinnerhaltung aus dem Werbeverbot herauszuhalten. Bei der Union, die das Werbeverbot so lange hinausgezögert hat, erhofft man sich dabei Gehör.

Hier und jetzt ist es an der Zeit, „Nein!“ zu sagen. Nein zur Bewerbung von Produkten, deren schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit erst in Jahrzehnten vollständig belegt werden können, obwohl bereits erste Ergebnisse vorliegen, u.a.

  • Auch Tabakerhitzer schaden der Lunge [1]
  • Tabakerhitzer geben ebenfalls Giftstoffe ab, wenn auch merklich weniger als Tabakzigaretten [2]
  • E-Zigaretten schaden Gaumen und Zähnen [3]
  • E-Zigaretten verengen Bronchien und erhöhen Entzündungswerte [4]

Erwachsene Raucher, die ihr Gesundheitsrisiko minimieren und deshalb zur E-Zigarette greifen, können sich anhand ungezählter (Fach-)Artikel, Forenbeiträge und sonstiger Verlautbarungen über die Vorteile des Dampfens gegenüber dem Rauchen informieren. Markenwerbung braucht es hierzu aber nicht. Denn ihr Ziel ist nicht, den aktuellen - jederzeit veränderlichen - Stand der Forschung darzustellen.

Jugendliche Nichtraucher dürfen nicht an Tabakerhitzer und E-Zigaretten herangeführt werden. Genau dies wird aber geschehen, wenn weiterhin Tausende von Plakaten an Hauswänden und an Haltestellen des öffentlichen Verkehrs hängen. Die modernen Geräte und die Vielfalt von fruchtig-süßen Aromen verführen Jugendliche wirksam zum Einstieg in die Nikotinsucht, auch das wurde belegt. [5]

Werbung für Tabak und Nikotin wird es – leider – in jedem Fall weiter geben. In und an Verkaufsstellen soll Werbung weiterhin genehmigt sein, bei Filmen für Erwachsene ebenso. Des Weiteren ist jeder E-Zigaretten-Laden, jeder Tabakautomat und jede Rauchszene in Film und Fernsehen Werbung für den Konsum von Nikotinprodukten. Jedoch soll wenigstens Schluss sein mit der penetranten Außenwerbung an jeder Ecke.

„Die Union hat sich dafür entschieden, dass ihr die Gesundheit der Bevölkerung wichtiger ist als die Bilanzen der Tabakwirtschaft. Gut so – aber nun muss sie auch den letzten Schritt zur Umsetzung ohne Stolpern wagen. Das Tabakwerbeverbot soll alle inhalierten Produkte betreffen, die süchtig machen“, fordert Siegfried Ermer, Pressesprecher von Pro Rauchfrei e.V., dem Verbraucherschutzverband Nichtrauchen.

Unser Schreiben vom Dezember 2018 an alle MdB: Tabakwerbeverbot JETZT

Unsere aktuelle Pressemitteilung: Tabakwerbeverbot ohne Ausnahmen




[1] https://openres.ersjournals.com/content/5/1/00159-2018
[2] https://tobaccocontrol.bmj.com/content/early/2019/01/28/tobaccocontrol-2018-054419.abstract
[3] https://www.urmc.rochester.edu/news/story/4667/first-ever-study-shows-e-cigarettes-cause-damage-to-gum-tissue.aspx
[4] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0012369216012344
[5] https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/0033354919830967

Gespräch über Tabakprodukte im BMEL

22.3.2019  Am 18. März fand im Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL), das für die Tabakerzeugnisverordnung und das Tabakerzeugnisgesetz verantwortlich zeichnet, ein Gespräch zwischen Vertretern der Leitungsebene des Ministeriums (Parlamentarischer Staatssekretär und Abteilungsleiter) und Siegfried Ermer und Stephan Weinberger, Vorstandsmitgliedern von Pro Rauchfrei, statt.

Folgende Themenbereiche wurden unter anderem behandelt:

  1. Tabakwerbung inkl. –automaten
  1. Problemfeld Shisha-Bars (Vollzugsdefizite bei Jugendschutz, Werbe- und Rauchverboten)
  1. Inhaltsstoffe Tabakwaren

Zu 1. Die laufenden Verfahren von Pro Rauchfrei werden beobachtet, insbesondere die im April anstehende Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München (Verdecken von Warnbildhinweisen an Supermarktkassen), wobei Ergebnisse daraus ausgewertet und gegebenenfalls mit entsprechenden Hinweisen zur Umsetzung an die Länder kommuniziert werden. Die Bundesregierung betont, dass sie von Anfang an die Rechtsansicht von Pro Rauchfrei e.V. vertreten habe und die Regelungen im Gesetz eindeutig seien. Man sehe aber von Maßnahmen ab, bis eine gerichtliche Klärung durch uns abgeschlossen sei. Der neue Anlauf für ein gesetzliches Tabakwerbeverbot sei auf einem guten Weg; die Vorlage sei die gleiche, die der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt 2016 vorgelegt habe. Von Pro Rauchfrei wurde in diesem Zusammenhang Tabakwerbung auf Monitoren angesprochen, die als unzulässig erachtet wird.

Zu 2. Für die Verfolgung der massenhaften Verstöße gegen bestehende Tabakwerbeverbote seien die Länder zuständig, so das Ministerium. Pro Rauchfrei wird hier am Ball bleiben, denn es kann nicht sein, dass jede unzulässige Werbung einzeln vom Verband abgemahnt werden muss. Die vorgetragenen zahlreichen Probleme im Zusammenhang mit Shisha-Bars wurden vom Ministerium zur Kenntnis genommen. Auch dort beobachtet man einen drastischen Anstieg dieses Gewerbes.

Zu 3. Das Bundesamt für Risikobewertung ist mit einem Budget ausgestattet, um die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe in Tabakprodukten zu untersuchen. Noch immer weiß man zu wenig über deren Wirkung bei der Suchterzeugung. Zur Frage, ob man nicht besonders giftige Stoffe, wie z.B. Arsen, durch weniger giftige ersetzen könne, wurde auf die Regulierung seitens der EU verwiesen, die hier keine Vorgaben gemacht habe.

Das Gespräch fand in einer angenehmen, sachlich informativen Atmosphäre statt und lieferte Pro Rauchfrei Anknüpfungspunkte für künftiges Handeln.  Zu Gesprächsende wurde mitgeteilt, dass die Bundesregierung das Engagement von Pro Rauchfrei e.V. schätzt und weiterhin viel Erfolg wünscht.

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