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Und die Bilder wirken doch

Bildliche Warnhinweise auf Tabakpackungen - heilsame Schocks

Liebe Raucher, je nach Temperament schäumt Ihr vor Wut oder ärgert Euch darüber mehr oder weniger lautstark und beschwert Euch über Bevormundung: Die Rede ist von den neuen Warnbildern, gemeinhin „Schockbilder“ oder „Ekelbilder“ genannt, auf Verpackungen von Tabakwaren.

Aber könnt Ihr einmal ein kleines bisschen über die eigene Zigarettenspitze hinausschauen? Dann versteht Ihr nämlich, dass diese Bilder vor allem für junge Menschen gedacht sind, die sich noch entscheiden können, ob sie mit dem Rauchen anfangen oder nicht. Wer anfängt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine lebenslange Raucherkarriere vor sich. Deshalb will die Tabakindustrie ja auch die Kunden jung ködern.

Wollt Ihr wirklich, dass Kinder anfangen zu rauchen? Viele Raucher wollen das tatsächlich nicht, denn sie wissen, wie schwer es ist, wieder damit aufzuhören. Jeder zweite Raucher will eigentlich aufhören, heißt es immer wieder. Nur ein Bruchteil schafft es dauerhaft.

Euch, die langjährigen Raucher, kann man nicht so leicht von dieser Sucht loseisen. Deshalb sind die Warnbilder nur für solche Tabakwaren vorgesehen, die vorrangig auch von Jugendlichen konsumiert werden: Zigaretten, Drehtabak, Shisha-Tabak.

Trotzdem  profitieren von den Bildern gleichzeitig auch die Raucher, die gerade eine Rauchentwöhnung durchmachen, sowie die Ex-Raucher: Sie finden in ihnen eine Bestätigung dafür, warum sie nicht mehr rauchen. Nichtrauchern dagegen führen die Bilder vor Augen, wie die Schadstoffe wirken, die sie in vielen Situationen ungewollt mitrauchen müssen.

Und Ihr selbst, die Raucher, die gar nicht aufhören wollen? Die Zeitungen titeln aktuell gern: „Schockbilder ohne Wirkung“. Man kann lesen: „Echte Raucher lachen darüber doch nur.“ Liest man allerdings weiter, stellt sich heraus, dass das Lachen bei vielen eher eine Grimasse ist. Denn:

  • Zigarettendosen sowie Hüllen und Etuis für Zigarettenpackungen finden derzeit reißenden Absatz
  • Raucher steigen beim Kauf inzwischen sogar auf andere Marken um, die noch in den alten Packungen angeboten werden
  • Viele Händler verstecken die Tabakwaren mit Warnbildern hinter Sichtblenden. Vielleicht wegen der Kinder? Nein, auch dort, wo Kinder gar nicht hinkommen (in Tabakläden) oder wo die Packungen oberhalb ihrer Augenhöhe angebracht sind (in Kiosks u.a.)
  • Tabakwerbung, die gemäß Tabakerzeugnisverordnung die Packungen von Tabakwaren so abbilden muss, wie sie nach den neuen Vorschriften aussehen, experimentieren mit Werbung ohne die Abbildung von Packungen oder mit verschiedenen Perspektiven, aus denen die Warnbilder nicht oder nur undeutlich sichtbar sind.

Alle diese Tricks und Kniffe werden nicht wegen der Ästhetik angewandt – es gibt so viele unästhetische Bilder in der Öffentlichkeit, in den Medien -, sondern weil Ihr, die Raucher, Angst habt vor den Bildern. Davor, über sie nachdenken zu müssen. Vor allem darüber, dass Ihr mit Eurem sogenannten Genussmittel die Luft aller anderen mitverpestet. Ihr wollt das nicht hören, Ihr wollt das nicht sehen, weil Euch sonst Eure Zigarette nicht mehr schmeckt. 

Übrigens: Auch 2003, als die textlichen Warnhinweise eingeführt wurden, kursierten Verpackungshüllen, Zigarettenetuis und –dosen. Aber nach einigen Monaten waren es die meisten Raucher leid, ihre Zigaretten jedes Mal nach dem Kauf umzufüllen oder die Packung in eine Hülle zu stecken. Sie gewöhnten sich an die Warnungen. An Bilder gewöhnt man sich nicht gar so schnell, denn sie bleiben im Unterbewusstsein verhaftet.  

Die Bilder der Anti-Tabak-Werbung funktionieren genauso wie die der Tabakwerbung.

Daher werden die Raucherzahlen auch hierzulande weiterhin sinken, obwohl die wirksamste Präventionsmaßnahme, die Anhebung der Tabaksteuer, in Deutschland bis auf Weiteres nicht praktiziert wird. 

Also, ärgert Euch nicht. Macht was draus. Denkt nach. Werdet frei. Hört auf zu rauchen. 

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Werbung für die Freiheit und das Leben

14 Tage unter Palmen - oder 6 Monate rauchen

Anti-Tabak-Plakat von Pro Rauchfrei

16.07.2016 Pro Rauchfrei hat eine Serie neuer Plakate – und eins kommt gerade in München zum Einsatz. Es hängt im Umfeld einer Schule statt Tabakwerbung, die dort nicht hingehörte. Unsere Werbung für Freiheit und Genuss ist noch bis zum 1. August zu sehen.

Unsere Aussage „Du entscheidest“ bezieht sich auf den Tabakwerbeslogan „You decide“. Dieser Spruch zeigt sehr gut den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Wer durch die Lifestyle-Werbung der Tabaklobby verführt wurde, ist nicht mehr frei in seiner Entscheidung. Nikotin in Verbindung mit weiteren suchtfördernden Zusatzstoffen im Tabak macht abhängig und unfrei, zum Schaden der eigenen Gesundheit und der von uns allen. 

Laut DZV-Werbekodex, der für British American Tobacco Germany, u.a. Marke Pall Mall; Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH , u.a. Marken John Player Spezial, Gauloises; Japan Tobacco International, u.a. Marken Camel, Benson & Hedges, Winston gilt, darf in den Abschnitten von Straßen und öffentlichen Verkehrsflächen, die unmittelbar an Schulen und Jugendzentren angrenzen und die in einem Umkreis von 100 Metern vom Haupteingang der Schulen* und Jugendzentren (maßgebend ist der Eingang zum Grundstück) aus einsehbar sind, nicht geworben werden. (Hiervon nicht umfasst ist Außenwerbung an Stätten der eigenen Leistung oder Verkaufsstätten Dritter). 


Tabakwerbung mit falscher Botschaft: you decideTabakwerbung mit sinnerhellender Bearbeitung

Links Tabakwerbung im Original, rechts sinnverdichtend bearbeitet


Meldungen von Tabakwerbung an „unlauteren“ Orten hängt, können direkt an den DZV, Unter den Linden 42, 10117 Berlin erfolgen, solange noch kein grundsätzliches Werbeverbot gilt. Pro Rauchfrei kann solche Meldungen auch weiterleiten. Philip Morris unterliegt zwar nicht dem Werbekodex, jedoch können Proteste an das Unternehmen selbst gerichtet werden.

*nur allgemeinbildende Schulen
Details zum Werbekodex unter https://www.zigarettenverband.de/pos-data/page_img/Themen/Werbung/DZV_Werbekodex.pdf. 

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Tricksereien beim Nichtraucherschutz lohnen nicht

Wirtin muss Buße zahlen

Pro Rauchfrei Großplakat für den Volksentscheid in Bayern 2010

07.07.2016 Vermeintlich ein Raucherparadies schuf eine Wirtin eines recht unauffälligen Lokals im Münchner Süden. Zufällige Passanten  wurden durch das Schild „Geschlossene Gesellschaft“ am Fenster vom Eintreten abgehalten. Dieses Schild hing dort Tag und Nacht.

Für den Fall von Kontrollen war es so eingerichtet, dass immer jemand „Geburtstag“ feierte – inklusive Gästeliste. Dieser Trick war aber irgendwann überstrapaziert und flog auf. Drei Bußgelder hatten sich schon angesammelt, die Wirtin hatte dagegen Widerspruch eingelegt und landete schließlich  vor Gericht– ausgerechnet am 4. Juli, dem Tag, an dem vor sechs Jahren der Volksentscheid zum Nichtraucherschutz in Bayern erfolgreich abgehalten wurde. Pro Rauchfrei war damals Mitinitiator.

Die Bußen muss die Gastronomin nun bezahlen, wenn auch reduziert, denn sie lebt am Rande des Existenzminimums. Von rauchenden Gästen lebt sich’s eben schlecht.

Bild: So warb Pro Rauchfrei 2010 in Bayern für ein "Ja" zum Nichtraucherschutz