Für ein Tabakwerbeverbot ohne Schlupflöcher

Nach so vielen Appellen, Petitionen und gescheiterten Gesetzesvorlagen scheint jetzt ein tonangebender Teil von Unionspolitikern bereit für die Umsetzung der WHO-Rahmenrichtlinie von 2003 zu sein, die vor 14 Jahren in Deutschland ratifiziert wurde. Dabei kommt es aber darauf an, keine halben Sachen zu machen.

Das Tabakwerbeverbot sollte mindestens umfassen:

  • ein komplettes Verbot von Tabak-Außenwerbung, inklusive der Außenbereiche von Verkaufsstätten
  • ein komplettes Verbot von Tabak-Kinowerbung
  • die komplette Entfernung von Tabakautomaten im öffentlichen Raum
  • Ein Verbot von Sponsoring, sei es von Parteitagen, Konzerten oder sonstigen Veranstaltungen
  • Werbung an Monitoren in Verkaufsräumen, die sich besonders an Kinder und Jugendliche richten, z.B. im Kassenbereich, an Süßigkeiten- und Zeitschriftenregalen.

Denn Schlupflöcher werden leider allzu schnell gefunden und ausgenutzt: Darf weiterhin an Verkaufsstätten (innen wie außen) geworben werden, wird die Werbung dort explodieren. Geld ist von Seiten der Tabakindustrie genügend vorhanden, um sämtliche Supermärkte, Kiosks, Tankstellen und sonstigen Verkaufsorte von oben bis unten mit Werbeplakaten und Monitoren zuzukleistern. Mit dem Anreiz von Nebeneinnahmen lassen sich dann vielleicht auch Modegeschäfte, Baumärkte oder sogar Kultureinrichtungen alsTabakverkaufsstellen anwerben.

Darf im Kino bei Filmen ohne Freigabe für Minderjährige geworben werden, wird es auch hier ein größeres Angebot geben. Sponsert die Tabaklobby doch ganz offensichtlich einen Großteil der Film- und TV-Produktionen und sorgt so dafür, dass in Zeiten, in denen das Rauchen im Alltag immer mehr an Bedeutung verliert, Tag für Tag das Rauchen groß in Szene gesetzt wird. Die Geldmittel für jegliche noch erlaubten Werbeformen sind den Einsatz immer wert, denn es winkt der Gewinn, junge Raucher für ein ganzes Käuferleben lang zu rekrutieren.

Nehmt in den Werbebann alles auf, was inhaliert wird und süchtig macht. Wenn schon die Gesundheit aller gefördert werden soll, dann richtig. Denkt an den Pfeifentabak, der so niedrig besteuert wird: Shisha-Bars und Tabakerhitzer profitieren von dieser Regelung (sie sollte dringend überarbeitet werden). Daher werdet Ihr jedes Schlupfloch, das Ihr der Werbung bietet, im Nachhinein mühsam wieder schließen müssen - gegen die altbekannten Widerstände.

Klotzen, nicht kleckern soll Eure Devise sein.

Wer noch mehr Argumente benötigt, findet sie hier: Tabakwerbeverbot JETZT - Schreiben an alle MdB

Langer Weg zur rauchfreien Universität

Asche und Kippen im Flur der UdK

Die Berliner Universität der Künste (UdK) ist per Gesetz rauchfrei. Dass das in der Wirklichkeit nicht zutraf, bewies eine Beschwerde, die uns Ende des letzten Jahres erreichte:

Ich studiere seit Oktober 2017 an der UdK Bildende Kunst. Jeden Tag rauchen Studierende und auch Lehrende in den Ateliers und in den Gängen. Es steht in einem Gang sogar ein Standascher. Ich habe mich mehrmals dafür engagiert, dass das Rauchen ein Ende findet und mit den Verantwortlichen (mit der Betriebsärztin, der Frauenbeauftragten, der Enthinderungsbeaufrtragten, der Dekanin sowie ihrer Assistentin und Lehrenden) gesprochen. Allerdings ist das Problem bekannt und der Wille zur Veränderung nicht vorhanden. Im Ergebnis ist das Rauchen noch immer sehr verbreitet in fast allen Räumen der Uni. Ich habe mich nun entschieden nicht mehr in die Uni zu gehen, weil ich es nicht ertrage dem Rauch ausgesetzt zu sein.

Eine Inaugenscheinnahme der Universität zeigte überall Aschespuren und Kippen.

So verfassten wir also eine Beschwerde an das zustänige Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort kannte man den Sachverhalt schon, denn wir hatten 2011 aus dem gleichen Grund eine Beschwerde eingereicht.

Gut Ding will Weile haben, doch nun hat sich die Leitung der Universität endlich genötigt gesehen, das Rauchverbot energisch durchzusetzen, und das in einer öffentlichen Mitteilung auch kundgetan.

Sehr traurig: Die Studentin hat es leider nicht bis dahin ausgehalten, wie sie angekündigt hatte. Sie studiert inzwischen woanders.

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