Tabakkonsum kontra Gesundheitsschutz

Rauchfreier öffentlicher Raum gefordert – keine Maskenpflicht-Ausnahmen mehr

09.02.2021  Unsere Atemwege sind vielfach belastet: neben den Immissionen aufgrund industrieller Produktion, motorisiertem Verkehr, Heizung usw. auch durch das Rauchen, das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Seit über einem Jahr hat das Coronavirus diese Belastung noch verschärft.

Wir nahmen zunächst an, dass spätestens mit der Maskenpflicht das leidige Zwangs-Mitrauchen an hochfrequentierten öffentlichen Orten erst einmal kein Thema mehr wäre. Diese Erwartung wurde grob enttäuscht, jeden Tag ein bisschen mehr. Statt mehr de facto rauchfreie Orte, intensivere und flächendeckende Entwöhnungsangebote und vor allem mehr Information über die zusätzlichen Risiken von Rauchern und Passivrauchern bezüglich einer Covid-Erkrankung gibt es Business as usual: Verharmlosung, Förderung des Rauchens oder einfach Ignorieren.

Ein Großteil der Bürger hält Abstand, isoliert sich im Privaten und nimmt existenzgefährdende Einschränkungen hin. Sogar das Singen haben wir uns abgewöhnen müssen, sobald wir nicht mehr allein sind. Umso schockierender ist es, wenn das Rauchen, eine ohnehin schon gefährliche Verhaltensweise, die in der Pandemie noch gefährlicher geworden ist, dermaßen aus aller Vorsicht ausgeklammert wird. Typisches Beispiel: Das bayerische Gesundheitsministerium (!!) ließ einem unserer Mitglieder auf Nachfrage mitteilen:

Im Rahmen der Maskenpflicht des § 24 Abs. 1 der 11. BayIfSMV darf die Mund-Nase-Bedeckung als triftiger Grund nach allgemeinen Grundsätzen dann abgenommen werden, solange das zum Verzehr von Speisen und Getränken oder zum Zweck des Rauchens notwendig ist, § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 der 11. BayIfSMV.

Die Regelung in § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 der 11. BayIfSMV soll jedoch nicht dazu führen, dass gewissermaßen ein Dauerverzehr von Speisen und Getränken stattfindet oder Dauer-Rauchpausen eingelegt werden.

Interessanterweise ist in der genannten Verordnung nicht die Rede von „triftigen“, sondern von „zwingenden“ Gründen.  Wie aber kann man das Rauchen als zwingenden oder auch nur als triftigen (=einleuchtenden) Grund ansehen?

  • Jeder zweite Raucher stirbt vorzeitig an seiner Sucht, geschätzte 120.000-140.000 Menschen im Jahr allein in Deutschland. Mehrere Tausend Passivrauchopfer kommen hinzu.
  • Rauchen geht mit einem mehrfach (bis zu 6-Mal) erhöhten Sterberisiko bei einer Corona-Infektion einher.
  • Das Abnehmen und Wiederaufsetzen der Maske und Finger-Lippen-Berührungen ohne vorheriges Händewaschen gefährden den Infektionsschutz.
  • Tabakrauch in der Atemluft, die in die Maske gelangt, erhöht den gesundheitlichen Schaden. Das gilt ganz sicher auch für Umstehende, denn Masken schützen leider kaum vor Tabakrauchbelastung.

Die Maskenpflicht darf durch das Rauchen nicht in ihrer Wirksamkeit gefährdet werden: keine Ausnahmen für Raucher! Die sinnvollste Regelung danach ist ein konsequent rauchfreier öffentlicher Raum mit einem Angebot von Raucherbereichen dort, wo niemand anderer gestört wird. Wenn der Gesundheitsschutz so wichtig ist, wenn die EU in den nächsten 20 Jahren auf ein tabakfreies Europa abzielt und wenn die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Ludwig, bessere Entwöhnungsangebote für Langzeitraucher schaffen will, sind rauchfreie Orte ein wichtiger präventiver Baustein. Denn die Tendenz muss dahin gehen, das Rauchen im Alltag zu denormalisieren, statt es im Gegenteil noch zu fördern. Davon profitieren alle, nicht zuletzt die Raucher selbst.

Mehr Stellungnahmen zu Rauchen und Corona:

Raucher-Risiko nicht mehr verharmlosen

Schutzmaske nur für Nichtraucher?

Rauchen wird man ja wohl noch dürfen

Infektionsgefahr durch Rauchen

Schutzmaske nur für Nichtraucher?

Verkehrte Welt: Raucherlaubnis trotz Maskenpflicht

28.10.2020  Offener Brief an die Ministerpräsidenten und Gesundheitsminister der Bundesländer: Pandemie-Maßnahmen mit verbindlichen Ausführungshinweisen

Angesichts sprunghaft steigender Infektionszahlen in Deutschland haben Sie, sehr geehrte Vertreter der Landesregierungen, in Übereinkunft mit der Bundesregierung zunehmend strengere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in Kraft gesetzt bzw. werden es noch tun.

 Einige Maßnahmen sind in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt, so die Maskenpflicht im Freien oder die Sperrstundenregelung.

Noch akzeptiert der überwiegende Teil der Bevölkerung diese Maßnahmen, weil sie hofft, so eine großräumige Stilllegung des wirtschaftlichen Lebens zu verhindern.  Um dies weiterhin zu gewährleisten, ist es jedoch dringend notwendig, das wesentliche Ziel im Auge zu behalten: die effektive Senkung des Infektionsrisikos. Ist das nicht der Fall, wäre es Wasser auf den Mühlen der Verweigerer und Blockierer.

Eine generelle Maskenpflicht auf Plätzen und Straßen hat für alle zu gelten. Jedoch fallen schon seit Längerem an Bahnhöfen und Haltestellen die Raucher sehr negativ auf, die die Maskenpflicht nicht auf sich beziehen. Dazu ist bis dato keine offizielle Stellungnahme bekannt, die diese Maskenpflicht relativieren würde.

Das hat sich nun geändert. So legen mangels klarer Vorgaben die Kommunen die Maskenpflicht für öffentliche Plätze und Straßen nach Gutdünken aus. Konkret geht aus Presseberichten hervor, dass die Städte Ahlen, Augsburg, Bamberg, Halle, Herne, Ingolstadt, Lüdenscheid, Ludwigsburg, Mönchengladbach, Nürnberg, Solingen und Wuppertal Rauchern Ausnahmen von der Maskenpflicht gestatten. Nachzulesen ist das in folgenden Pressemeldungen.

Maskenpflicht auf Straßen

Teilweise werden abstruse Zusatzregeln genannt: Raucher müss­ten beim Rauchen stehen bleiben oder sie dürften „zu Ende rauchen“ bzw. „kurz rauchen und danach die Maske wieder aufsetzen“. Als ob dies an der Tatsache etwas ändern würde, dass bei dieser ohnehin schon todbringenden Beschäftigung Luft weit stärker ausgestoßen wird als beim normalen Atmen. In diesem Zusammenhang ist Rauchen als erhöhter Risikofaktor analog zum Singen, Schreien oder Niesen anzusehen. Darüber hinaus ist das erhöhte Infektionsrisiko beim Rauchen durch häufigen Finger-Lippen-Kontakt bekannt, sodass sich Rauchen in der Öffentlichkeit derzeit auf jeden Fall verbietet.

Pro Rauchfrei fordert klar verständliche Regeln: Legen Sie in den Infektionsschutz-Verordnungen Ihres Bundeslandes fest, dass eine Maskenpflicht immer zwingend mit einem Rauchverbot einhergeht. Dazu sollen die Kommunen angehalten werden, die Hinweisschilder auf Maskenpflicht mit dem normierten Rauchverbotszeichen zu versehen. Denn wenn nicht einmal die zuständigen Behörden diesen selbstverständlichen logischen Schluss ziehen, wie kann man es vom einzelnen Raucher verlangen? 

 

Rauchen wird man ja wohl noch dürfen? - Nein!

Maskenpflicht bedeutet gleichzeitig Rauchverbot. Hinweisschilder für Unbelehrbare nötig

19.10.2020  Überall dort, wo die Warnwerte von 35 bzw. 50 COVID-19-Infektionen pro 100.000 Einwohnern überschritten werden, gelten in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Hamburg neue Corona-Schutzregelungen. Darunter eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum, wo es voraussichtlich zu eng ist, um den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Die betreffenden Kommunen benennen Plätze, Straßen, Fußgängerzonen, an denen die Maskenpflicht gelten soll. 

Andere Bundesländer werden in Umsetzung der Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz vom 14. Oktober folgen.


Maske bedeutet Rauchverbot Nun wird es genügend Mitbürger geben, die sich davon nicht angesprochen fühlen. Zumindest nicht, wenn sie gerade rauchen. Beobachtbar ist bereits jetzt, dass trotz Maskenpflicht an Bahnsteigen und Haltestellen zahlreich gequalmt wird. Es ist zu erwarten, dass sich das auch nicht für die neuen Bereiche ändern wird.


Deshalb fordert Pro Rauchfrei: Macht es den Menschen schwerer, ihr Rauchen als legitime Ausnahme anzusehen! Mindestens ein Rauchverbotszeichen gehört auf die Hinweisschilder zum Maskenschutz mit drauf. Sodass alle Bürger merken, wie sie sich verhalten müssen. Denn wer die Maskenpflicht als wichtige Maßnahme zur Verringerung der Ansteckungsgefahr ansieht, muss deren Einhaltung konsequent fordern.


Für uns Nichtraucher ist es sowieso ein Segen, wenn wir im öffentlichen Raum weniger Tabakrauch einatmen müssen. Vor allem in diesen Zeiten. Denn Tabakrauch dringt schnell in den Mund-Nasenschutz ein, geht aber schwer wieder raus. Ablagerungen (second-hand-smoke) können am Stoff zurückbleiben und die Gesundheit zusätzlich schädigen. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass Rauchen aufgrund der Atemtröpfchen, die zusammen mit dem Tabakrauch vom Raucher ausgestoßen werden, die Infektionsgefahr für die umgebenden Menschen erhöht. Zwei sehr gute Gründe, um das Rauchen besonders in den Blick zu nehmen. 

Maskenpflicht und Rauchen werden mancherorts schon thematisiert:

Stadt Düsseldorf: Antwort der Stadt: „Die Maske darf zum Rauchen innerhalb der betroffenen Bereiche nicht abgesetzt werden.

Kreis Recklinghausen/Datteln: Für Raucher gilt: Wer nicht auf seine Glimmstängel verzichten will, muss dafür einen Bereich aufsuchen, in dem die Maskenpflicht nicht gilt.

Hamburg: „… darf der Mund-Nasen-Schutz nicht abgenommen werden - auch nicht zum Essen, Trinken oder Rauchen“, wie der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich, am Sonntag erklärte.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.